Schellenurslis Heimat

Guarda ist eines der schönsten Dörfer der Schweiz. Dazu trägt neben Engadinerhäusern, Schellenursli und Piz Buin auch das Hotel Meisser bei.

«Wo hat denn der Schellenursli gewohnt?», fragt ein Tourist aus Deutschland. Reto Viletta schmunzelt. Seit Jahren lenkt er sein Postauto die steile Strasse zwischen «Guarda, staziun» und «Guarda, cumün» hinauf und hinunter. 221 Höhenmeter, vier Haarnadelkurven, acht Minuten. Das ist das eine. Das andere: vom Postauto aus Fremdenführer spielen. Denn Guarda eilt der Ruf voraus, das malerischste Dorf des Engadins zu sein. Die Engadinerhäuser sind Jahrhunderte alt, mit Sgraffiti reich verziert und vielen dadurch bekannt, weil sie dem Illustrator Alois Carigiet in den 1940er-Jahren als Vorlage für den «Schellenursli » dienten.

«Und wo geht’s ins Val Tuoi?», wollen zwei Wanderinnen von Viletta wissen. Sein Arm schwenkt Richtung Norden. Die Wanderung wird die zwei rüstigen Damen vorbeiführen an einem Föhrenwald, an Alpweiden und Geröllfeldern bis an den Fuss des berühmten Piz Buin (3312 m ü.M.). Gerade im Frühling und Frühsommer offenbart sich dabei ein prächtiges Blütenspiel: Gelbe Alpen-Kuhschellen, behaarte Primeln in Fuchsia, königsblaue Enziane und rote Lichtnelken besprenkeln die Wiesen. Und wer pfeift da frech den Damen hinterher? Ein Murmeltier! Leicht verlegen schauen die beiden Wanderinnen in den Himmel, erblicken imposante Gipfel und mit etwas Glück gar einen Steinadler am Horizont. Nach knapp drei Stunden ist Schluss. Der Talkessel schliesst sich. Weiter geht’s nur im alpinen Stil. Eine SAC-Hütte aber bietet allen Stärkung.

Zurück in Guarda. Auf der grandiosen Sonnenterrasse des Hotels Meisser blinzeln Touristen ins Abendrot. Ob sie wissen, welche Leckerbissen noch auf sie warten? Glücklich, wer nach Sonnenuntergang das Hotel betritt. Im Entree zeugen historische Truhen, Kochtöpfe und Bettflaschen von dessen 367 Jahre alter Vergangenheit. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Bauernhaus zum Hotel umgebaut. Und wie: Der Jugendstil- Speisesaal ist voller Stuckaturen und Stützbalken, während die Glasfront den Blick auf die Alpenarena frei gibt – bis er auf die Teller fällt. Angerichtet werden saisonale und regionale Spezialitäten wie Suppe aus Heu von Guardas Wiesen. Dann ist Bettzeit. In den Suiten duftet das Arvenholz, beim Einschlafen fliegen Bergadler durch die Gedanken. Einer, zwei, drei, dann ist der letzte hinter dem Horizont verschwunden.

Angebot: Sennenrösti oder Abendmenü

Gegen Abgabe einer gültigen PostAuto-Fahrbestätigung (erhältlich beim Fahrpersonal) gibt’s im Hotel Meisser zwei Sennenrösti am Mittag oder zwei 4-Gang-Abendmenüs (exkl. Getränke) zum Preis von einem (CHF 19.– statt CHF 38.–, bzw. CHF 58.– statt CHF 116.–). Gültig vom 17.5. bis 30.6.2012.

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