Heidenspass

Heidenspass

Noch im 19. Jahrhundert war die Lenzerheide eine Kuhweide. Heute ist sie eine der innovativsten Ferienregionen der Schweiz.

Ein Eichhörnchen scharrt im verschneiten Waldboden, während auf dem gefrorenen Heidsee ein Langläufer lautlos seine Runden dreht. Die meisten Touristen schlafen noch, als das Postauto trotz verschneiter Strasse Punkt 7 Uhr die Haltestelle «Canols, Rothornbahn» anfährt. Nur ein Mann steigt aus.

Seit 14 Jahren arbeitet Otto Battaglia bei den Bergbahnen Lenzerheide und pendelt von Chur bis aufs Parpaner Rothorn – von 585 auf 2865 Meter in 45 Minuten! Fortschritt dank Technik: Bei der Jungfernfahrt am 1. Mai 1921 brauchte das Postauto noch 1 Stunde und 28 Minuten auf die Lenzerheide, und auf den Gipfel ging’s mit Seil und festem Schuhwerk statt mit der Gondelbahn.

«Niemand hat’s schöner als ich», sagt Battaglia, während er hoch über den Pisten von der Alp Scharmoin aufs Rothorn gondelt. Tatsächlich hat kaum jemand einen besseren Ausblick auf die grandiose Bergwelt rund um die Lenzerheide als er – mit Ausnahme einiger Dohlen vielleicht. In der Pause greift der Bündner erst zum Fernglas, um den Fels nach Steinböcke  abzusuchen, dann zum Eingeklemmten mit Bündnerfleisch.

Dass Einheimische oft «die Lenzerheide» sagen statt «Lenzerheide », liegt daran, dass die Lenzerheide lange Zeit gar kein Wohnort war. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde sie allein zum Sömmern des Viehs – als Maiensäss – genutzt. Dann erst begannen Bauern, das Hochtal ganzjährig zu bewohnen. 1882 wurde das erste Hotel eröffnet, der Ort Lenzerheide entstand, und die Kuhweide wandelte sich rasch zur Ferienregion. Dass PostAuto 1925 den ersten Winterkurs im innovativen Saurer Car Alpin mit Raupenantrieb auf der Strecke Chur– Lenzerheide einführte, ist kein Zufall. Innovativ wollte man sein, und innovativ ist die Lenzerheide bis heute. Pelzmäntel und Luxuslimousinen sucht man hier vergebens; dafür ist die Ferienregion mit dem Gütesiegel «Familien willkommen» ausgezeichnet worden. Und das bedeutet: Vielfalt im Angebot. 155 Kilometer Skipisten und 55 Kilometer Loipen garantieren Winterwonne – der Junior aber wird vor allem den Snowboardpark au  der Alp Stätz schätzen. Oder wollen sich die Eltern mal wieder zweisam verwöhnen? Dafür gibt es keinen schöneren Ort als den Hamam im Hotel Schweizerhof, während die Kleinen draussen mit Globi Iglus bauen.

Innovativ ist die Region, doch die besten Traditionen leben fort. Das berühmte Bündnerfleisch aus dem luftigen Churwaldner Tal beispielsweise. In Parpan verkauft und trocknet Jörg Brügger Fleisch nach Art und Rezept des Urgrossvaters: mit null Energie, «Fenster auf, Fenster zu». Touristen geniessen die Feinkost auf der Vesperplatte der Bündnerstube im Hotel Spescha in Lenzerheide oder – wie Otto Battaglia – im Eingeklemmten.

Tipp

Bündner Spezialitäten geniessen und übernachten im gemütlichen Hotel Spescha ( www.hotel-spescha.ch, 081 385 14 24).

Mit dem Postauto von der Lenzerheide durchs winterliche Bündnerland via Julierpass nach St. Moritz fahren – Fahrvergnügen komplett!

Gegen Vorweisen Ihres Halbtax- oder Generalabonnements essen Sie in den Selbstbedienungsrestaurants der Lenzerheide Bergbahnen zum halben Preis.

Kombinierte Skipässe